Herzlich willkommen auf der Homepage der Naunhofer Stadtkirche


Die Wegwarte ist der Legende nach eine verwandelte Jungfrau, die im blauen Kleid am Wegesrand solange auf ihren Geliebten wartete, bis sie zu einer Blume wurde. Sicher ist Ihnen der Anblick der blauen Blume unseres Titelbildes an den Wegen und Staßenrändern vertraut. Weder Staub noch Hitze, weder Autoreifen noch Rasenmäher können sie von ihrem Platz vertreiben. In ihrer Anspruchslosigkeit übersteht sie sogar Tausalz und Lauge.

Noch bevor die Sonne im Osten aufgeht, dreht sie schon ihre Blütenköpfe in die Richtung in der die Sonne aufgehen wird. Die zarten lichtblauen Blüten öffnen sich, erstrahlen und folgen den Tag über dem Lauf der Sonne. In den frühen Nachmittagsstunden schließen sie sich wieder, meist schon gegen 15:00 Uhr, wenn die Pflanze sozusagen „zu Bett geht.“ Sie ist eine wirklich besondere Blume, eine kraftvolle, bescheidene Schönheit. Als Schnittblume eignet sie sich nicht, ihrer Freiheit beraubt verliert sie rasch ihre Farbe. Von praktischem Nutzen ist sie mit ihrem bitteren Geschmack als Zugabe in Salaten, ihre Wurzel gibt - getrocknet gemahlen - ein besonderes Getränk, den Zichorienkaffee. Die meisten kennen sie als Chicorée. Aber ihren größten Wert hat sie für uns als treue Wegbegleiterin. Darin hat sie die Wandervogelbewegung besungen:
„Wir wollen zu Land ausfahren / wohl über die Fluren weit, / aufwärts zu den klaren / Gipfeln der Einsamkeit. / Horchen woher der Bergwind braust, / schauen, was hinter den Bergen haust, /
I: und wie die Welt so weit. :I Fremde Wasser dort springen, / sie sollen uns Weiser sein, / froh wir wandern und singen / Lieder ins Land hinein. / Und brennt unser Feuer an gastlicher Statt, / so sind wir geborgen und schmausen uns satt / I und die Flammen leuchten darein. :I Und steigt aus tiefem Tale / heimlich und still die Nacht, / und sind vom Mondenstrahle / Gnomen und Elfen erwacht, / dämpfet die Stimmen, die Schritte im Wald, / so hört ihr und seht ihr manch Zaubergestalt, / I: die wallt mit uns durch die Nacht.:I
Es blühet im Walde tief drinnen / die blaue Blume fein, / die Blume zu gewinnen, / ziehn wir ins Land hinein. / Es rauschen die Bäume, es murmelt der Fluss, / und wer die blaue Blume finden will, der muss/I:ein Wandervogel sein:I“
https://deutschelieder.wordpress.com/2016/03/21/horant-wir-wollen-zu-land-ausfahren/

Wenn es Sie in diesen Tagen hinauszieht in Gottes schöne Natur, denken Sie daran: „Nicht die Länge der Reise garantiert große Erlebnisse, sondern die Achtsamkeit. In der Enge des heimatlichen Gartens und auf dem Weg durch die Felder kann es mehr Verborgenes geben als hinter der Chinesischen Mauer.“  
nach Antoine de Saint-Exupéry

Seien Sie herzlich gegrüßt und achten Sie auf die treuen Wegbegleiter, unsere Mitgeschöpfe am Wegesrand.

Im Namen aller Mitarbeiter Ihr Pfarrer

Norbert George